Nachdem ich nun den ersten Winter mit Hilfe der htd-Teilnehmer eine erhebliche Optimierung meiner Anlage erreichen konnte, habe ich mich in diesem Winter nun auf eigene Faust und angeregt durch einen Mail-Verkehr mir Matthias auf die Suche nach weiterer Optimierung durch gezielte Tests mit der Spreizung im Sekundären Heizkreis gemacht.
Leider erhält man von Viessmann keinerlei offizielle Aussagen, noch habe ich irgendwo eine Dokumentation zu den Fragen gefunden, die den meisten interessierten LWP-Nutzern auf den Nägeln brennen dürften:

• Wie hoch ist die optimale Taktzahl?
• Welche Laufzeit je Takt ist anzustreben?
• Wie groß sollte die Spreizung sein?
• Wieviele Abtauungen sollten es am Tag sein?
• Warum taut meine Anlage bei +12 Grad und einer Verdampfertemperatur von +6 Grad ab?
• Warum moduliert meine LWP nicht bzw. wie verhalten sich die unterschiedlichen Anlagenkonfiguration bei der Modulation?

Im Internet findet man eine Hülle von zum Teil gegensätzlichen Aussagen, die Viessmann-Techniker vor Ort getätigt haben (sollen?). Auch ich bin schon mehrfach in den Geschmack solcher Aussagen gekommen und Frage mich immer wieder, welche Beweggründe es gibt, den LWP-Nutzer solche Informationen vorzuenthalten und jegliche schriftlichen Anfragen (oder zumindest meine) hierzu schlichtweg zu ignorieren?!?
Verglichen mit einem Autokauf, würde mir dort der Verkäufer nicht sagen wollen in welchem Gang ich anfahren muss, welche Drehzahl ich nicht überschreiten sollte oder was ich tun kann um Sprit zu sparen :-)

Da also die Fragen von Seiten Viessmann (zumindest mir gegenüber unbeantwortet geblieben sind) nachstehend also Aussagen, die ich in Gespräche mit Leidensgenossen erfahren habe:

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Persönliches Gespräch mit einem Viessmann-Techniker im Februar 2012:
Die Modulation wirkt sich nicht auf den Stromverbrauch aus, sondern auf den Verdichterdruck. Somit kann die Modulation nicht am Stromzähler festgestellt werden. Der Verbrauch der Anlage liegt somit bei den angegebenen 2,3KWH. Das Scroll-Relaise wird erst aktiv, wenn der PMOP-Wert größer 6,6bar wird. Eine verbrauchsbezogene Modulation ist bei den Splitanlagen der Vitocal 200 gegeben, da diese drehzahl-geregelt arbeiten. Hier wird am Stromzähler beschriebene Effekt (springen von 2,3Kwh auf 300W) erreicht.
Meine Anmerkung hierzu:
Leider habe ich erst 5 Monate später gesehen, dass diese Aussage nicht ganz korrekt ist, denn bei 30 Grad moduliert mein LWP bei der WW-Bereitung durchaus in der beschriebenen Weise!

Info eines Leidensgenossen (von einem Viessmanntechniker):
Es ist ein Missverständnis, dass der Verdichter immer so lang wie möglich laufen muss. Es gibt ja eine begrenztes Verdichterleben... Bei langen Laufzeiten wird auch mehr abgetaut und wenn die Pumpe dann noch eine Zeit lang moduliert hat man sehr lange Laufzeiten und die Lebenserwartung des Verdichters sinkt. Die Pumpe sollte bei Temps unter 2 C nicht modulieren, denn das geht auf den COP, weil der Verdichter immer wieder mit 300 Watt im Freilauf ist und dabei keine Wärme erzeugt.
Bei WP ohne Puffer ist die Modulation für die wärmeren Tage gedacht, wenn die Ventile der FBH nach Lehrbuch verbaut sind. Wenn die Raumregler langsam zu gehen und das Überströmventil geht auf, gibt es eine Rücklaufanhebung und die WP fängt an die Abgabeleistung zu regeln um nicht ständig zu Takten.
Wenn ein Puffer vorhanden ist wird normalerweise nicht moduliert.
Meine Anmerkung hierzu:
Was heißt denn hier "normalerweise"?!?
Tja auch hier ist wohl nicht alles gesagt worden, denn ich kenne auch pufferlose Vitocal 300 die nicht modulieren.

Info aus einem Eintrag im HTD
Laufzeit UND Taktrate machen die Lebensleistung aus, eine gute Mischung aus beidem...
Folgende Antwort habe ich dazu von meinem Hersteller dazu bekommen:
1. Wie lange sollte die KÜRZESTE Zeit eines Taktes der Wärmepumpe sein?
Grundsätzlich gilt hier für die Wärmepumpe wie auch für jede sonstige Heizungsanlage oder z.B. auch das Auto: je länger die Laufzeit pro Start (Takt) desto besser! Es gibt keine Vorgabe wie lange die kürzeste Zeit eines Taktes sein sollte.
[...]
Eine definitive Zeitangabe in Minuten auf die Frage, wie hoch die ø Verdichterlaufzeit mindestens sein sollte, kann nicht gegeben werden.
Die ø Verdichterlaufzeit hängt von mehreren individuellen Faktoren ab:
  Anlagenhydraulik, Zusammenspiel der Komponenten
Zusammenspiel des Kaminofens mit Wassertasche – Wärmepumpe
„Feintuning“ der Reglereinstellungen:
Zusammenspiel Wärmeangebot der Wärmepumpe – Wärmebedarf des Gebäudes („Programmierung GLT“)
Thema „Nachtabsenkung“ Hier gilt die Empfehlung für ´Wärmepumpen in Kombination mit Flächenheizsystemen: keine Nachtabsenkung

Vergleichbare Luft / Wasser Wärmepumpen (Kundenanlagen, Feldtestanlagen) haben ø Verdichterlaufzeiten von ca. 8 Minuten bis zu ca. 30 Minuten.
8 Minuten sind definitiv wenig! Ursache sind hier meistens Hydraulik- und Auslegungsprobleme
Eine ø Verdichterlaufzeit von ca. 24 Minuten entspricht bei Luft / Wasser – Wärmepumpen
einem guten Wert und deutet auf eine gute Anlagenhydraulik + Auslegung hin

2. Wieviele Starts verbergen sich hinter der Lebenslaufzeit meiner Wärmepumpe?
Bei Wärmeerzeugern wird von einer zu erwartenden Lebensdauer von 15 Jahren mit ø ca. 1.800 - 2.000 Betriebsstunden pro Jahr ausgegangen (Ohne Solaranlage, Kaminofen, ….). Bei max. 3 Starts pro Stunde und 2.000 Betriebsstunden sind das 90.000 Starts. Dies ist die Minimalanforderung.
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Letztlich habe ich in den vergangenen Wochen gelernt, dass eine Minimierung der Takte und eine Maximierung der Laufzeit auch nicht zielführend zu sein scheint. Wie fast immer scheint die Wahrheit in der goldenen Mitte zu liegen.
Jedem Wärmepumpen-Betreiber sollte klar sein, dass je geringer der Temperatur-Unterschied zwischen Wärmequelle und der abgeforderten Heizwassertemperatur ist, desto besser ist die Leistungszahl und damit die Energieeffizienz der Wärmepumpe.

Nun verläuft jedoch der Abgleich der beiden Pumpen zu diesen Tatsachen ehr kontraproduktiv. Ich habe durch den Abgleich einen Stand erreicht, beidem ich zwar mit einem Minimum an Einschaltungen ein Maximum an Laufzeit erreiche, jedoch sorgt die Senkung der sekundären Pumpengeschwindigkeit auch für eine Erhöhung der Spreizung, da das erwärmte Wasser nicht so schnell dem Heizkreis zur Verfügung gestellt werden kann.
In meinem Fall sieht das dann so aus:

 _    AT             Spreizung Sek-Pumpe (Stufe I - 46W)
      +10                                 10k
      +5                                     9k
      +2,5                                  8k
       0                                   7-8k
____-5                                      7k                           

Nach Installationshandbuch sollte jedoch eine Spreizung von 5K bei AT 2C und Vorlauf 35 eingestellt werden. Das würde einer Durchfluss-Menge von 1900 l/Std entsprechen. Diese hohe Vorlauftemperatur wiederum würde auch wieder für erhöhte Kosten sorgen, sodass nun die Suche nach dem Optimum beginnt.

Nachteile von der extremen Taktminimierung
Die höhere Spreizung erzeugt eine erhöhte Stromaufnahme des Verdichters durch den erhöhter Kondensationsdruck.

Da ich wie geschrieben keine Richtwerte für Taktanzahl, Lauflänge und Spreizung habe, sehe ich für meine Anlage nachstehend Werte als optimal an:
• Takte: Maximal 15/Tag
• Laufzeit je Takt: mindestens 30 Minunten
• Spreizung (Sek-Kreis): 5-7k
• Pufferüberladung: Max 4k

Optimierungsansatz
Um den aufgezeigten Nachteilen entgegenzuwirken habe ich in einem Versuch die Geschwindigkeit meiner Sek-Pumpe wieder auf Stufe II (60W) erhöht.
Dies führt zu:
• Reduktion der Spreizung im Sekundärkreis

Spreizung alt bei 0 Grad
Spreizung neu bei 0 Grad
Blau - Rücklauf             Rosa - Vorlauf           Rot - Puffer

• Reduktion der durchschnittlichen VL-Temperatur und hierdurch wie beschrieben zu einer Stromverbrauchs-Reduktion
• Reduktion der Pufferüberladung auf 3K
• Reduktion der Abtauungen (zumindest bei Temperaturen >0 Grad)
• Reduktion der Laufzeiten für die Heizläufe verglichen bei gleichen Außentemperaturen.
• aber auch zu
• Steigerung der Takte (von ca 5-8 auf 10-12)
• Verkürzung der Laufzeiten je Takt (schwer zusagen, aber schätzungsweise um ca. 1/3)

Insgesamt zeigt die Veränderung dieser einen Einstellung eine wesentliche Verbrauchsoptimierung.
Die Ergebnisse können folgender Tabelle entnommen werden:
• grün - Alte Werte
• rosa - Neue Werte

Die Tabelle zeigt, dass durch die Änderung der Spreizung mit Sicherheit eine Senkung des Verbrauchs erreicht wurde. Bisher habe ich jedoch noch keine Werte über 0 Grad testen können. Die Durchschnittliche Einsparung liegt derzeit bei rund 2KWH/Tag.

Da ich auf der Such nach der goldenen Mitte bin werde ich als nächstes schauen, ob man
• durch eine Reduktion der Pufferhysterese
• Umstellung von Rücklauf- auf Vorlaufgeregelt
auch noch eine Kostenoptimierung erreichen kann...
ALLER ANFANG IST SCHWER
26.01.2013