Wartungs-Arbeiten (make or buy)
In den vergangen Wochen gab es einen Beitrag im HTD der sich verstärkt mit dem Thema der Wartung von Wärmepumpen beschäftigt hat.
Nun dieses Thema hat mich schon geraume Zeit interessiert, war doch ein Verkaufsargument die Wartungsfreiheit der Wärmepumpen. Sicher fühlte ich mich, als sich mein Heizungsbauer nach der Installation im Jahr 2011 mit den Worten „wir sehen uns erst bei einer Störung wieder verabschiedet hat.
Verwundert war ich, als ich immer öfter von Wartungsverträgen anderer Heizungsbauer las, deren Kosten ein gutes Stück über den Wartungskosten meiner alten Gastherme lagen.
Irritiert ging ich dann auf die Suche und wurde im Service- und Wartungs-Handbuch der Vitocal (Seite 110) fündig.

Dort standen die Wartungs- und Inspektionstätigkeiten beschrieben:
[...]
   1. Wärmepumpe öffnen
   2. Kältekreis auf Dichtigkeit prüfen
   3. Sekundärseite füllen und entlüften
   4. Ausdehnungsgefäß und Druck des Heizkreises prüfen
   5. Gehäusetemperatur des Verdichters prüfen
   6. Wärmepumpe schließen
[...]

Hmm, an dieser Stelle wurde jedoch nichts über die Intervalle gesagt und ehrlich gesagt frage ich mich, warum Betriebe für diese Prüfung oder besser das äußeres Beschauen der Anlage 250 Euro und mehr haben wollen.

Eine Anfrage an Viessmann, brachte dann wenigsten beim Intervall ein Ergebnis, dass ich eigentlich schon vorher hätte ahnen können:

[...]
   wir empfehlen dir ganz klar eine jährliche Wartung an deiner Anlage durchführen zu lassen.
   Die dabei zu prüfenden Punkte hast du ja schon in der Serviceanleitung gesehen.
[...]

Nun, dass ein Hersteller auf Nummer sicher gehen möchte und die jährliche Wartung empfiehlt verstehe ich gut.
Gerade im Hinblick auf Garantie und Gewährleistung ist man auf der sicheren Seite, wenngleich es doch mehr als merkwürdig ist, dass die „verlängerte Hand“ (also der Heizungsbauer) dies in meinem Fall für nicht notwendig erachtet.

Auffällig ist auch, dass bei Viessmann die Wartungstätigkeiten im Laufe der Jahre, sprich Weiterentwicklung rapide weniger wurden. Die Seite im Manual (Seite 48) ist zwar weiterhin identisch gestaltet, aber eine Anleitung aus dem Jahr 2003 hat rund 2 Seiten an Wartungsarbeiten, die ich mir auch nicht mehr alleine zutrauen würde.

Und was sagen Andere
Was sagen eigentlich andere Hersteller zu dem Thema:

Info aus einem Handbuch:
   [...]
   Der Kältekreis der Wärmepumpe bedarf keiner regelmäßigen, technisch bedingten Wartung.
   [...]
   Die Komponenten des Heizkreises und der Wärmequelle (Ventile, Ausdehnungs-Gefäße, Umwälzpumpen, Filter, Schmutzfänger) sollten bei Bedarf, spätestens jedoch       jährlich, durch qualifiziertes Fachpersonal (Heizungs- oder Kälteanlageninstallateure) geprüft beziehungsweise gereinigt werden.
   [...]

Ein anderer Hersteller:
   [...]
   "Unter 3 kg Kältemittel keine Pflichten. Unter 6 kg keine Pflichten bei hermetisch dichten Systemen.
   [...]

Und hier mal ein direktes Angebot.

Mein Ergebnis:
Ich als Endverbraucher fühle mich reichlich verunsichert. Ich möchte meine LWP lange und sicher betreiben. Offensichtlich sagen die Hersteller, dass hierfür an der LWP nichts zu ersetzen oder auszutauschen ist und "nur" Eckdaten der Anlage zu prüfen sind.
Eine nützliche Info hierzu habe ich im Netz gefunden:
Normale Werte für die Heißgastemperatur sind
bei 30°C VL -> ca. 60...65°C
bei 35°C VL -> ca. 67...72°C
bei 55°C VL -> ca. 90...100°C
die Werte gelten für R407C und einer Quellentemperatur von ca. 0°C. Bei anderen Quellentemperaturen, vor allem bei Luftmaschinen können mehr oder weniger starke Abweichungen auftreten.
Heißgastemperaturen > 110°C sind zu vermeiden, da dann mit dauerhaften Veränderung des Esteröls zu rechnen ist, was wiederum die Effizienz ( COP bzw AZ ) negativ beeinflußt.

Zusammenfassend bleibt also für mich festzuhalten, dass die LWP wohl grundsätzlich wartungsfrei ist Somit werden entgegen anderer Gas- oder Öl-Thermen keine Teile getauscht, die sich Abnutzen (bspw. Zündelektrode, Öl-Düsen...).
Bei einer Wärmepumpen-Wartung handelt es sich somit ehr um den vom Hausarzt bekannten "Check-35" - naja und den halten nun auch nicht alle Menschen für notwendig. Einige werden ohne 100, andere mit nur 40.
Dass der vom Hersteller empfohlene Check nun über eine Wartungspauschale von 250 Euro und mehr von den Betrieben durchgeführt wird finde ich reichlich frech. Hier spielt man mit der Angst des Verbrauchers bzw. schwingt das Gewährleistungsschwert.

Für mich heißt das, dass ich weiterhin die Werte meiner LWP im Auge behalten werde (Temperatur und Druck des Verdichters, Laufzeit in den einzelnen Belastungsklassen, Stromaufnahme und Gesamtverbrauch). Des Weiteren wird vor und nach der Heizperiode der Wartungsplan von Viessmann abgearbeitet – in ein paar Jahren werde ich dann sehen, ob es die richtige Entscheidung war.

Dichtigkeitsprüfung
Ein anderes Thema ist nun die Frage nach der rechtlichen Notwendigkeit einer Dichtigkeitsprüfung - ähhh, sollte da etwas im Argen liegen? Hätten die Hersteller der ganzen Wärmepumpen hier nicht für Transparenz gesorgt, wenn es so etwas gebe? Dann wäre doch die jährliche Prüfung etwa so selbstverständliches wie die Abgasmessung bei den Heiz-Thermen.

Also habe ich mich auch hier mal auf die Suche gemacht und  bin auf die Die F-Gase-Verordnunggestoßen.


... oder etwas einfacher dargestellt ..

Da es sich bei der Vitocal 300 um ein hermetisch abgeschlossenes System mit 5,1kg R407C Kältemittel handelt erfüllt diese derzeit noch die die Anforderungen keiner rechtlich notwendigen Dichtigkeitskontrolle.

Gespannt bin ich, was nach dem 31.12.2016 auf uns zukommen wird, denn weiter heißt es in der Verordnung 517/2014:

[...] Eine Ausnahme bildet die Übergangsregelung für Kältekreisläufe mit einem Füllgewicht von unter 3 kg und Hermetisch geschlossenen Systemen mit einem Füllgewicht unter 6 kg, hier ist bis zum 31.12.2016 keine Dichtheitsprüfung erforderlich[...]

Das Thema wurde in diesem IHK-Artikel gut auf den Punkt gebracht.

Somit wird uns wohl spätestens ab 2017 das Thema bewegen und  ich prognostiziere mal, dass dann auch das Thema  etwas mehr in den Mittelpunkt der Presse rücken wird.

Update Oktober 2015
Nach erneuter Lektüre aktueller Dokumentationen stellt sich der Sachverhalt wieder etwas optimistischer da.
In der Verordnung wird nun nicht mehr nach der Füllmenge des Kältemittels, sondern nach den „Tonnen CO2-Äquivalent“ berechnet. In unserem Fall entspricht 1kg R407C gleich 1,77t co2e.

Somit ergeben sich für unsere Anlage bei 5,1kg R407C gleich 9,022t co2e.

Gemäß Artikel 4 der Verordnung ergibt sich

[...] Hermetisch geschlossene Einrichtungen, die fluorierte Treibhausgase in einer Menge von weniger als zehn Tonnen CO 2 - Äquivalent enthalten, werden den Dichtheitskontrollen gemäß diesem Artikel nicht unterzogen, sofern diese Einrichtungen als hermetisch geschlossen gekennzeichnet sind. [...]

Somit werden wir entgegen meiner bisherigen Darstellung doch künftig keine Prüfung zu erwarten haben.




13.2.2015
ALLER ANFANG IST SCHWER